Was bringt die Austauschpflicht für alte Kaminöfen?

In Deutschlands Wohnzimmern knistert es bald wieder. Mit Holz erwärmen – das vereint Klimaschutz mit Gemütlichkeit. Also kein Wunder, dass auf den nachwachsenden Rohstoff immer mehr Deutsche setzen. Der Trend, mit Brennholz zu erwärmen, hat jedoch auch seine Tücken: Allein in Augsburg stoßen so Holzöfen im Jahr ungefähr 38 Tonnen Feinstaub aus –  eine beachtenswerte Gefährdung der Gesundheit. Für Öfen, die mit Brennholz heizen, gelten deswegen ab 2015 verschärfte Grenzwerte.

Woher kommt der Feinstaub?
Meistens entsteht Feinstaub bei Verbrennungsprozessen in der Industrie, Landwirtschaft und im Straßenverkehr, aber auch durch mit Holz betriebene, private Öfen. Feinstaubpartikel verbleiben durch die sehr kleine Größe unsichtbar in der Atmosphäre. Laut Umweltbundesamt sind 35 % der Menschen in Deutschland von Belastung durch Schadstoffe  in der Luft betroffen – besonders in den Ballungszentren. Obwohl die Feinstaubbelastung seit dem Jahr 1990 gesunken ist, existiert dennoch Handlungsbedarf. Die neue Bestimmung hilft dabei, die gesundheitsgefährdende Feinstaubbelastung zu senken. Um das Holz als klimafreundlichen Kraftstoff zu verwenden, ohne dabei der Gesundheit zu schädigen, müssen ältere Anlagen nachgerüstet oder ausgetauscht werden.

Verschärfte Grenzwerte ab 2015
Die Bundesregierung beschloss schon 2010 die 1. Bundesimmissionsschutz-Verordnung (1. BImSchV) zur Reduzierung der Feinstaubbelastung. Die Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen schreibt seit dem 01.01.2015 verschärfte Grenzwerte für Kohlenmonoxid- und Feinstaubemissionen vor. Es handelt sich um erste Verordnung zur Vollziehung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Laut dieser Verordnung sind maximal 4 Gramm Kohlenmonoxid und maximal 0,15 Gramm Feinstaubausstoß pro Kubikmeter Luft zugelassen. Das gilt für Öfen, die vor dem Jahr 2010 eingebaut wurden. Bis Ende 2024 ist eine Filternachrüstung oder ein Ausbau in vier Schritten vorgesehen.  Die Anforderungen haben sich seit 2015 nochmals erhöht. Historische Öfen, die vor dem Jahr 1950 eingebaut wurden, sind davon jedoch ausgenommen.

Einige Details zu der Verordnung:

  • Ab Anfang 2015 müssen Heizkessel, die vor dem 1. Januar 1995 aufgebaut wurden und mit Holz heizen, die Emissionsgrenzwerte der Stufe 1 der 1. BImSchV einhalten. Meist werden sie zum Heizen gesamter Häuser oder Wohnungen eingesetzt.
  • Für Kamine, Pelletöfen und Kachelöfen, die vor dem 1. Januar 1975 aufgebaut wurden und zum Heizen einzelner Räume verwendet werden, gilt dasselbe.
  • Spezielle Übergangsfristen gelten für Anlagen, die zwischen dem 1. Januar 1975 und dem 21. März 2010 aufgebaut wurden. Darin berücksichtigt sind auch Heizkessel und Pelletheizungen mit Inbetriebnahme zwischen dem 1. Januar 1995 und dem 21. März 2010 . Je nach Baujahr laufen die Fristen zwischen 2017 und 2025 aus.
  • Kessel und Öfen, die nach dem 22. März 2010 eingesetzt wurden, können unbegrenzt weiter verwendet werden.

Auch hier gibt es, wie bei jeder Regel, einige Ausnahmen. Historische Öfen, Herde, Badeöfen, handwerklich vor Ort aufgestellte Grundöfen und offene Kamine sind vor der Austauschpflicht ausgenommen.

Sie sollten daher vom Schornsteinfeger überprüfen lassen, ob Ihr Ofen die notwendigen Emissionsgrenzwerte einhält. Spätestens 4 Wochen nach Inbetriebnahme muss der Schornsteinfeger bei neuen Holzheizkesseln überprüfen, ob die Grenzwerte erfüllt werden, nachher alle zwei Jahre. Laut dem Umweltbundesamt reicht für neue Einzelraumfeuerungsanlagen ein Zertifikat des Produzentes über die Grenzwerte aus.

Emission reduzieren – mit neuen Öfen und richtiger Bedienung
Im Gegensatz zu Öfen, die vor 1975 gebaut wurden, senken neue Holzheizöfen die Emission um bis zu 85 %. Dabei wird auch die Geruchsentwicklung deutlich gesenkt. Der meiste Feinstaub kommt also aus alten Öfen. Schätzungen zufolge werden 80 % des Feinstaubes aus Holzfeuerungen emittiert, die mehr als 20 Jahre alt sind. Das Durchschnittsalter der montierten Einzelfeuerungsanlagen liegt den Verbänden zufolge bei 30 Jahren. Gelänge es, diese Anlagen tatsächlich zu ersetzen, wäre viel gewonnen. Moderne Gerätetechnik erhöht die Energieeffizienz, steigert den Wirkungsgrad und sorgt für eine reine Verbrennung. Aus Sicht der Verbände liegt die Lösung des Feinstaubproblems nicht in einer weiteren Erhöhung der Grenzwerte für Neuanlagen oder in Restriktionen wie Verbrennungsverboten, sondern in dem Wechsel des Altanlagenbestandes.

Wird die Austauschpflicht von den Ofenbesitzer ignoriert?
Schon Anfangs 2015 hätten viele alte Holzöfen ausgetauscht werden müssen. Doch ein Großteil der Besitzer verweigert möglicherweise den Austausch. Jedenfalls geht der HKI Industrieverband davon aus. Der Austauschpflicht soll nur jeder fünfte Hausbesitzer nachgekommen sein. Heizkamine sowie Kamin- und Kachelöfen, die vor 1975 gebaut wurden und die Grenzwerte für Emissionen nicht erfüllen, müssen jedoch nachgerüstet oder ausgetauscht werden. Das sieht die BimSchV vor – und soll zur Folge Bußgelder haben. Hochrechnungen des HKI zufolge sind rund eine Million Geräte in dem entsprechenden Alter, erneut wurde aber nur jeder fünfte Ofen. Folglich seien 800.000 umweltbelastende Altanlagen ohne geeignete Nachrüstung noch in Betrieb.

Betroffene Ofenbesitzer haben grundsätzlich über den Bezirksschornsteinfeger von der Austauschpflicht  rechtzeitig erfahren. Im Rahmen der Feuerstättenschau kontrolliert er auch die Umsetzung. Innerhalb von sieben Jahren sind zwei Schauen vorgesehen. Der  Kaminkehrer meldet Verstöße den zuständigen Behörden, die Geldstrafe verordnen können. Dem HKI zufolge erfolgten diese aber nicht.

Große Austauschwelle folgt noch
In naher Zukunft müssen auch jüngere Anlagen ersetzt werden: Die Schonfrist endet für die Baujahre 1975 bis 1984 Ende 2017 – das ist laut den beiden Verbänden die große Austauschwelle. Ende 2020 ist für Öfen der Baujahre 1985 bis 1994 Schluss. Öfen, die von 1995 bis 31. März 2010 hergestellt wurden und die Grenzwerte nicht erfüllen, müssen dann 2024 ausgetauscht oder nachgerüstet werden. Von der Pflicht sind historische Einzelraumfeuerungsanlagen (hergestellt oder errichtet vor dem 1. Januar 1950), sowie offene Kamine ausgenommen.